Donnerstag, 19. April 2018

Einladung zur Mitgliederversammlung am Donnerstag, d. 26.4.

Die Einladungen zur
Mitgliederversammlung am Donnerstag, d. 26.4. um 18:00 Uhr im Caritasheim Heidelberger Straße 

sind mit Tagesordnung und der Zusammenstellung der geplanten Satzungsänderungen herausgegangen.

Wenn es noch Fragen zu den Satzungsänderungen gibt, bitte beim Büro, Tel 69999 anrufen oder
buergerhilfe-bensheim@t-online.de anschreiben!

Freitag, 16. März 2018

Lebensklug und gut vernetzt. Unser Gehirn im Altern. - Vortrag von Dr. Marion Schirling


"Das geheime Lebenselixir, das alle Krankheiten heilt und unsterblich macht, ist noch nicht erfunden", so begann Dr. Schirling ihren Vortrag, aber die Hirnforschung habe in den letzten Jahren doch vieles herausgefunden, was helfen kann, ein "gutes Leben" zu führen. Mit "gutem Leben" ist dabei nicht ein Leben ohne Schwierigkeiten und Schicksalsschläge gemeint, sondern ein Leben, das trotz solcher Belastungen nicht dauerhaft aus der Balance gerät.
Dazu könne unser Gehirn, wenn wir es "gut behandeln" Wesentliches beitragen.

Doch was ist dafür zu tun?
Anders, als man lange geglaubt hat, lernt unser Gehirn auch im hohen Alter gern. Aber nur dann, wenn es immer wieder herausgefordert wird und nicht ständig in den alten Bahnen laufen muss.
Ein Hirnforscher hat dafür ein anschauliches Bild gefunden: Wenn es geschneit hat, bildet sich rasch ein Trampelpfad auf den Alltagswegen. Wenn man aber nie von diesen Wegen abweicht, liegt der Schnee dort bald so hoch, dass man sich in diesen Tiefschnee nicht mehr hinein traut.
Unser Gehirn hat viele Milliarden Neuronen, mehr als es Sterne in der Milchstraße gibt, die feuern ständig und schaffen, wenn sie dazu angeregt werden, mit Neurotransmittern (Botenstoffen) neue Verbindungen, sogenannte Synapsen untereinander.
Eine Frau, die erfuhr, dass sie erblinden würde, entschloss sich, mit über 70 Jahren noch die Blindenschrift zu erlernen. Mittels bildgebender Verfahren wurde ihr Gehirn vorher und nachher untersucht und festgestellt, dass es im Bereich des Tastsinns erheblich zugenommen hatte. Ähnliches zeigte sich, als man einer Gruppe von älteren Frauen und Männern das Jonglieren beibrachte. Im Unterschied zur Kontrollgruppe nahm ihr Gehirn im Bereich des visuellen Assoziationscortex und des Hippocampus, der Hirnregion, die für das Lernen wichtig ist, also in den Bereichen des räumlichen Sehens und der Konzentrationsfähigkeit enorm zu. Auch im alternden Gehirn können also neue Nervenzellen gebildet werden (adulte Neurogenese).
Freilich, als die Gruppe nicht mehr jongliert hat, ging das Gehirn in diesen Bereichen leider teilweise wieder zurück.
Die durch Anregung neu gebildeten Nervenzellen lernen schneller als die alten, sie können schneller Synapsen ausbilden und auch wieder rückbilden, wichtige Faktoren für unser Lernen und Erinnern. Deshalb sollte man sich auch im Altern seine Neugier bewahren. Die ist es nämlich, die immer wieder neue Anregungen schafft. Kinder im Alter von 5-6 Jahren fragen nicht selten über 400 mal am Tag, Erwachsene, allenfalls 10 mal. Gesunde Kinder lachen über 40 mal am Tag, während Erwachsene, wenn es hoch kommt, dies nur 15 bis 20 mal tun.
Überdies kann das fröhliche Infragestellen alter Denkgewohnheiten durch Kinder wie ein Gesundbrunnen für alternde Gehirne wirken. Schließlich folgen wir bei rund 40 Prozent unserer Handlungen nur alten Gewohnheiten, ohne uns zu fragen, ob sie für die aktuelle Situation noch angemessen ist.

Wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, dass man eben alt ist und dass deswegen vieles nicht mehr möglich ist, dann versucht man gar nicht erst, das zu tun, was sehr wohl noch möglich ist. In einem Experiment mit Studenten gelang es in nur zwei Stunden, in denen sie mit negativen Begriffen berieselt wurden, aus munteren lebenslustigen demotivierte Studenten zu machen. Wie viel stärker muss es wirken, wenn man viele Jahre lang geübt hat, zu resignieren.

Deshalb kommt alles darauf an, dass man sich als alternder Mensch nicht von der übrigen Gesellschaft abkapselt und sich gegenseitig in Klagen über die schlechte Welt und Krankheiten in Resignation bestärkt.

Hier führte Frau Schirling die vier großen B's ins Feld, die geistig beweglich halten und die insbesondere der deutsche Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüther für wichtig hält:
1. Begegnungen und Beziehungen mit anderen Menschen (nicht zuletzt solche, die Denkgewohnheiten infrage zu stellen helfen)
2. Bewegung (Körperliche Aktivität hilft den Dopaminspiegel (des Glückshormons) aufrechtzuerhalten.)
3. Bedeutung und Begeisterung (Alles, was uns wichtig ist und wofür wir uns begeistern können, mobilisiert neue Kräfte und stärkt unsere Gehirnleistung.)
4. Belohnung *(Jede Herausforderung, der wir uns gestellt und die wir bewältigt haben, aktiviert einen Ort im Gehirn, den Nucleus accumbens, der wiederum Botenstoffe aussendet, die uns stärken und unsere Selbstheilungskräfte mobilisieren.)

"Es gibt zwar kein Elixier, das ewiges Leben schenkt", schloss Marion Schirling, "aber wir haben etwas Besseres: Es sind diese vier B's, mit denen unser Gehirn, lebensklug und gut vernetzt, getrost alt werden kann, vorausgesetzt, dass es sich weiter für die Themen des Lebens interessiert und begeistert."

Zum Artikel im Bergsträßer Anzeiger vom 28.3.18

* Wie wir uns selbst belohnen können.

wurden in diesem Blog bereits am 14. März vorgestellt.

Mittwoch, 14. März 2018

Dr. Schirling: Lebensklug und gut vernetzt. Unser Gehirn im Altern

Der Vortrag fand am 14.3.2018 um 15:00 Uhr im Generationentreff in der Hauptstraße 53 in Bensheim statt. Demnächst wird dazu ein Bericht erscheinen. Vorerst gibt es hier nur Stichworte zur Erinnerung und Links zu ausführlicheren Darlegungen zu Fachbegriffen und Sachgebieten.

Beziehung, Begegnung
Bewegung
Bedeutung und Begeisterung
Belohnung   nucleus accumbens Dopamin/Glückshormon
    Wie wir uns selbst belohnen können.


Hirnforschung/Neurowissenschaften
Geschichte der Hirnforschung
adulte Neurogenese
Neuroanatomie
Geist und Gehirn

Dienstag, 19. September 2017

Feier des 20. Jubiläums am 16.9.2017

Schon am 18.9. ist im Bergsträßer Anzeiger ein Bericht erschienen:
Jubiläum: Bürgerhilfe Bensheim feiert 20-jähriges Bestehen / Gegenseitiges Geben und Nehmen

Unbürokratisch und schnell: So muss Hilfe funktionieren

Von unserer Mitarbeiterin Gerlinde Scharf

AUERBACH. Die Bürgerhilfe Bensheim lebt vom gegenseitigen Geben und Nehmen. Und das seit zwanzig Jahren. 1997 wurde der gemeinnützige Verein, der sich eine „lebendige Nachbarschaft“ auf die Fahne geschrieben hat, gegründet und besteht seitdem ausschließlich aus ehrenamtlichen Mitgliedern. Rund 200 sind es derzeit, die sich füreineFörderungdesbürgerschaftlichen Engagements einsetzen, die bei Nachfrage ihre unterschiedlichen Talente und Fähigkeiten einbringenundselbstprofitieren,wenn einmal Not am Mann ist. Das 20-jährige Jubiläum war Grund für die Bürgerhilfe, zu einem kleinen Festakt mit Sektempfang ins Bürgerhaus Kronepark nach Auerbacheinzuladen.BürgermeisterRolf Richter überbrachte die Grüße des MagistratsundderanwesendenParteienvertreter Franz Apfel (Bürger für Bensheim) und Moritz Müller (GLB) und hob hervor, dass es einer Stadtnur so gut gehenkann,wie den Menschen, die „nicht von der Sonne verwöhnt sind, denen soziale Wärme fehlt und die sich nicht alles leisten können.“ Gerade deshalb sei gegenseitige Hilfe, so wie sie das Bensheimer Netz, dem auch die Bürgerhilfe angehört, anbietet, von großer Bedeutung. „Die Bürgerhilfe ist Teil eines eng geknüpften Netzes und macht Bensheim noch ein Stück lebens- und liebenswerter.“ Es sei nicht hoch genug einzuschätzen, so Richter, dass hier Ehrenamtliche seit zwanzig Jahren Zeit und Wissen in den Dienst der guten Sache stellen. Dies sei einer der entscheidenden Bausteine für eine menschliche Stadt, fuhr der Bürgermeister fort und dankte allen Vereinsmitgliedern.

Mit Gleichgesinnten Neues wagen
Mathilde al Doghachi, Ehrenvorsitzende der Seniorenhilfe Dietzenbach, deren Modell und Erfolgskonzept „Bürger für Bürger“ sich die Bürgerhilfe Bensheim zum Vorbild genommen hat, bezeichnete die Organisation als „wertvolles Glied im sozialen Zusammenleben der Gesellschaft. Hier können Menschen ihre verschiedenen Fähigkeiten und Kenntnisse einbringen, mit Gleichgesinnten Neues wagen und gestalten, dabei neue Interessen entwickeln und neue Erfahrungen sammeln. Sie erfahren Anerkennung und das gute Gefühl, gebraucht zu werden.“ Es sei heute für alle Generationen wichtiger denn je, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Vereinsvorsitzender Walter Böhme, der neben den Mitgliedern auch einigeEhrengäste –unterihnenIrmgard Schatz von der Kirchengemeinde Sankt Laurentius, seine Vorgänger und Ehrenmitglieder Karl Löw und Hans-Peter Kneip, sowie Erika Roß und Friedel Hohmann vom Seniorentreff – begrüßen konnte, erinnerte an die Anfangszeit, den Pioniergeist und den Auf- und Ausbau der Bürgerhilfe. In den zwanzig Jahren seit Gründung des Vereins haben sich Anfragen nach Hilfeleistungen und -angebote stark verändert. Böhme nannte zwei Beispiele. Eine 89-jährige Dame hatte sich kurz nach GründungderBürgerhilfe imBürogemeldet, und darum gebeten, ihre defekte Glühbirne im Schlafzimmer auszutauschen. Achtzehn Jahre später beanspruchte eine 90-Jährige Hilfe bei der Umstellung vom Computer auf ihr Tablet: „Und kurz danach kam sie wieder auf uns zu, weil sie ihreKenntnisse erweiternwollte.“ In beiden Fällen konnte Abhilfe geschaffen werden. Fakt sei aber auch, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können. Die Hilfsbereitschaft vieler ehrenamtlich tätiger Menschen sei nur dann effektiv, wenn auf der anderen Seite die Bereitschaft bestehe, sich helfen zu lassen: „Wir wollen Menschen motivieren, Hilfe zu empfangen,“ schloss der Vorsitzende seinen Festvortrag, nicht ohne sich bei Hans-Peter Kneip und Karl Löw für deren langjährige Vorstandsarbeit zu bedanken.

Ehrungen

Im Anschluss stand die Ehrung von Gründungsmitgliedern auf dem Programm, „die seit zwanzig Jahren mithelfen, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu fördern.“ Anwesend waren Elisabeth Koch, Karl Löw, Irmgard Schatz und Elke Woißyk. Sie erhielten Weinpräsente. Die Mitglieder gedachten auch ihrem ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden Klaus Brinkmann, der erst kürzlich verstorben ist. Der „zauberhafte Schmittini“, alias Volker Schmidt-Bäumler aus Weinheim, brachte die Festgesellschaft nach dem offiziellen Teil mit seinen Tricks und Kniffen aus der Zauberkiste zum Staunen.  
Bergsträßer Anzeiger 18.9.2017


Hier folgen die Ansprachen der Ehrenvorsitzenden der Seniorenhilfe Dietzenbach und des Vorsitzenden der Bürgerhilfe Bensheim und ein Link zur Webseite des Zauberers Schmittini mit Fotos von seiner Vorführung.

Grußwort von Frau Mathilde al-Doghachi zum 20-jährigen Jubiläum der Bürgerhilfe

Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Ehrengäste,
liebe Mitglieder der Bürgerhilfe Bensheim und lieber Herr Böhme,

die Seniorenhilfe Dietzenbach e.V. gratuliert zum 20-jährigen Bestehen ganz herzlich. Wir freuen uns sehr, dass dieses besondere Modell eines neuen bürgerschaftlichen Engagements Bestand hat, erfolgreich wirkt und mit seinen vielfältigen Angeboten zu einem wertvollen Glied im sozialen Zusammenleben der Gesellschaft geworden ist.

Das Erfolgskonzept wurde 1994 in Dietzenbach von Bürgern für Bürger entwickelt.
Unter dem Motto „gemeinsam mit anderen etwas für andere tun“ kamen Bürger mit der
städtischen Fachstelle für Senioren zusammen. Auch wurde das Modell der Seniorengenossenschaften diskutiert, die das Land Baden-Württemberg mit erheblichen Landesmitteln aufgebaut hat. Dies war allerdings in Hessen nicht gegeben.

So entwarf unser unvergessener Wolfgang Thüring das geniale Modell eines gemeinnützigen Vereins auf genossenschaftlicher Basis, nach dem im Kreis Offenbach a.M. und darüber hinaus seit langem viele Bürger- und Seniorenhilfen erfolgreich arbeiten.

Meine Damen und Herren – wir befinden uns in einem ständigen gesellschaftlichen und wirtschaflichen Wandel, der nicht immer vorhersehbar und steuerbar ist. Stellt sich die Frage: Sind die Bürger- und Seniorenhilfen solchen Herausforderungen gewachsen?
Ich meine JA!
Sie sind wegen der Flexibilität ihrer Struktur zukunftsfähig, können sich im Hinblick auf Hilfen und Gemeinschaftsaktivitäten Angebot und Nachfrage anpassen.
Hier können Menschen ihre verschiedenen Fähigkeiten und vielseitigen Kenntnisse einbringen, mit Gleichgesinnten Neues wagen und gestalten, dabei neue Interessen entwickeln und neue Erfahrungen sammeln.
Sie erfahren Anerkennung und das Gefühl, gebraucht zu werden, was nicht zuletzt zu einem sinnerfüllten Leben beiträgt.

Dabei ist die Stärkung des Gemeinschaftsgfühls in der heutigen Gesellschaft wichtiger denn je. Auch fühlen sich die Mitglieder, die nicht aktiv sein können, in dieser Gemeinschaft sehr gut aufgehoben. Oft wird die Zugehörigkeit als Vorsorge für das Alter betrachtet.

So ist es eine Aufgabe für alle Generationen, im Geiste des MITEINANDER – FÜREINANDER das bürgerschaftliche Engagement als Chance für die Zukunft weiter zu entwickeln.

Nicht immer kann die Bürgerhilfe in diesem Prozess alles allein schultern. Hierbei ist die Unterstützung durch Partner, insbesondere der Kommune gefragt, sei es durch Equipment, Räumlichkeiten o.ä., kann sie sich doch glücklich schätzen, ein solch soziales Engagement im Gemeinwesen zu haben.

Liebe Bürgerhilfe Bensheim, auf dem Weg in die kommenden Jahrzehnte wünschen wir viel Erfolg, dem Vorstandsteam eine gedeihliche Zusammenarbeit, bleiben Sie und alle Ihre Mitglieder gesund!
Alles Gute für die Zukunft und nochmals Glüchwunsch zum 20sten Geburtstag!

16.09.2017 - Mathilde al-Doghachi – Ehrenvorsitzende der Seniorenhilfe Dietzenbach e.V.


Ansprache von Walter Böhme

Die Idee einer Bürgerhilfe stammt aus dem vorigen Jahrtausend und im vorigen Jahrtausend, 1997, ist auch unsere Bürgerhilfe Bensheim mit großem Elan gegründet worden.
Seitdem hat sich viel geändert. Das zeigt sich z. B. an der Art der Hilfe, die nachgefragt wird.

In den Anfängen der Bürgerhilfe bat eine 89-Jährige um Hilfe, die seit einem Vierteljahr mit der Taschenlampe ins Bett gegangen war, weil ihre Glühbirne kaputt war. Eine neue wurde eingesetzt und alles war erledigt.

2015 bat eine 90-Jährige um Hilfe, weil sie vom Computer auf einen Tablet-Computer umsteigen wollte. Dafür wurde jemand gefunden. Doch das genügte ihr nicht. Vor kurzem suchte sie einen neuen Helfer, der ihr hilft, ihre Kenntnisse auszuweiten. Sie verstehe noch nicht alle Funktionen.
Das neuste Gerücht besagt, sie sei mit diesem neuen Helfer unzufrieden gewesen, weil der nicht mehr gewusst habe als sie, und habe jetzt einen dritten Helfer gefunden.

Was immer davon wahr ist, die Ansprüche an die Helfer sind in mancher Hinsicht deutlich größer geworden. So haben wir auch unsere Bürodienstarbeit rationalisiert und arbeiten jetzt dabei durchweg mit einem Computerprogramm.

Ist also alles besser geworden? Nein!

In der Anfangszeit wurden zwar noch manche Fehler gemacht, aber es herrschte ein großer Pioniergeist, weil alle Gestaltungsmöglichkeiten offen waren.

Ein Beispiel ist unser Ehrenmitglied Karl Löw. Als er in der Bürgerhilfe anfing, war er älter als ich heute. Was hat er da noch alles geleistet! Er hat die Satzung entwickelt, die - mit kleinen Änderungen heute noch Bestand hat. Er hat immer die Verbindung zur Stadtverwaltung gehalten, hat dank seiner Kenntnisse und Beziehungen uns immer wieder in rechtlichen Fragen weitergeholfen und war, als Not am Mann war, bereit, seinen Posten als Schriftführer, der ihm auf den Leib geschrieben war, aufzugeben und für einige Zeit den Vorsitz zu übernehmen.
Bis Hans-Peter Kneip kam, der dann länger als jeder andere als Vorsitzender die Geschicke der Bürgerhilfe bestimmen sollte. Er ist bis heute unser verlässlicher Gastgeber für Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen und hat die attraktiven Ausflüge organisiert, die vielen von uns heute noch als Glanzlichter in Erinnerung sind.
Und deswegen ... Aber das - kommt erst später...

Ich merke aber, manche werden schon unruhig: Wenn jetzt alle aufgezählt werden, die sich um die Bürgerhilfe verdient gemacht haben, dann bleibt ja gar keine Zeit mehr für den Zauberer.
Deswegen Schluss jetzt! Von Verdiensten soll jetzt nicht mehr gesprochen werden. Oder höchstens nur noch ganz allgemein.

Ja, am Anfang, da gab es diesen Pioniergeist, und der wurde in den 90er Jahren getragen von einer weltweiten Aufbruchstimmung, aus der heraus man nach dem Zusammenbruch des Ostblocks eine neue, bessere Gesellschaft der Solidarität begründen wollte. Und die erhofft man sich von dem ehrenamtlichen Engagement, wo sich jeder - ohne die Zwänge der Berufswelt - für das einsetzen kann, was ihm besonders wichtig erscheint und wofür sie oder er befähigt ist.
Der Gedanke gegenseitiger Hilfeleistung ist dabei die allgemeinste Form, in der der Wert der Solidarität Ausdruck finden kann.
Insofern bietet die Bürgerhilfe eine fast ideale Form des gesellschaftlichen Engagements.

Freilich, in der Praxis bleiben wir immer wieder hinter den Erwartungen zurück. Immer wieder einmal werden Wünsche an uns herangetragen, wo wir etwas leisten sollen, was die öffentliche Sozialarbeit nur unvollständig leistet, was wir aber beim besten Willen auch nicht leisten können. Doch diese Erwartungen sind für uns durchaus ein Ansporn, uns weiter zu entwickeln.

Wie ist die Bürgerhilfe organisiert, um ihre Aufgaben zu erfüllen?
Eine zentrale Funktion erfüllt der Bürodienst. Er vermittelt zwischen den Hilfeanfragen der Mitglieder und den Helfern und ist auch sonst ein Zentrum der Kommunikation.

Freilich, die Wirklichkeit des Bürodienstes enstspricht nicht immer dieser Idealvorstellung.
Eine Mitarbeiterin aus den Anfangstagen berichtete mir: "Was ich im Bürodienst getan habe, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Es war nichts los." Und das galt damals dreimal in der Woche einen Vormittag lang. Natürlich blieb das nicht lange so. Aber Ähnliches hat sich auch später ergeben. Doch an anderen Tagen konnte man zu zweit Bürodienst leisten und sich dennoch des Ansturms der Besucher und Anrufe kaum erwehren, so dass man notgedrungen Überstunden leisten musste, um auch nur das Notwendigste abzuarbeiten.
Doch weil es immer wieder auch Flautezeiten gab, war der Vorstand nicht ganz selten versucht, dem Bürodienst neue Aufgaben anzutragen, die letztlich auf eine Überforderung hinausliefen.
Heute glauben wir, dem Problem etwas gesteuert zu haben, indem wir einerseits die Bürostunden verkürzt haben, auf zweimal zwei Stunden im Monat, und uns andererseits ein leistungsfähiges Büroprogramm zur Helferverwaltung besorgt haben - da geht unser Dank an Dietzenbach -, das die Helfersuche erleichtert und auch von zu Hause aus zu bedienen ist, so dass wir einerseits Tag und Nacht Anfragen entgegennehmen und sie andererseits auch zeitnah bearbeiten können.
Außerdem nutzen wir auch Rundmails, um Angebote bekannt zu machen und suchen so auch Helfer.
Freilich hat bei der Abwicklung meist doch auch der Bürodienst noch Arbeit und sei es nur bei der Punkteabrechnung.
Und nun raten Sie mal, wer sich bei der Vorbereitung unserer heutigen Feier im Festausschuss besonders eifrig eingebracht hat!
Aber halt, von Verdiensten soll ja nicht mehr die Rede sein.
Nur noch ganz allgemein.

Die Bürgerhilfe kann nur funktionieren, wenn jeder sich nach seinen Möglichkeiten einbringt. Da gibt es Spezialisten, die einen besonderen Bereich ganz sorgfältig betreuen.
Ich denke dabei an die Geräte und die Computerprogramme, an die Homepage, an unsere Vereinsmitteilungen "Bürgerhilfe aktuell" und alles, was mit Powerpoint zu tun hat, an die Schriftführung, den Infostand, die Pressearbeit, die Veranstaltungsvorbereitungen, die Gratulation zu den runden Geburtstagen und den Telefondienst und ... das andere vergesse ich lieber, sonst wird es zuviel. Nur - ein Wort muss ich noch zu den Veranstaltungsvorbereitungen sagen. Die Helfer, die Sie heute hier tätig sehen, sind beileibe nicht alle, die sich eingebracht haben. Deshalb bitte ich Sie für die Helfer bei der Vorbereitung, bei der Feier und bei der Nachbereitung um einen kräftigen Applaus!

Eine Gruppe fehlt noch, nämlich die, die ihre Spezialarbeit machen, aber sich auch für alles andere zuständig fühlen und überall bereitstehen, wo Not am Mann oder an der Frau ist. An wen denke ich da wohl? - Keine Rede mehr von besonderen Verdiensten.

Denn wenn ich jetzt auspacken würde, dann käme unser Zauberer gar nicht mehr zum Zaubern. Nun, vielleicht hat der Bergsträßer Anzeiger neben seinem Bericht noch so einen schönen Kasten, in den man so etwas hineinpacken kann. Denn schließlich sind wir ja nicht vor Gericht, wo es heißt: Es gilt nur das gesprochene Wort.

Aber was ich beim besten Willen doch nicht übergehen kann, das sind sie vielen Hilfen, die die Mitglieder sich untereinander leisten. Über die weiß nur der Bürodienst so richtig Bescheid und selbst der erfährt nicht alles, weil vieles unter der Hand läuft. Aber was er erfährt, das hält er im Computer fest, und jedes einzelne Mitglied wird daran am Anfang des Jahres erinnert, wenn es seinen neusten Punktestand erfährt.

Und jetzt ist die Gelegenheit, wo ich auf die Neumitglieder zu sprechen kommen muss, die in den letzten Monaten verstärkt zu uns gekommen sind und immer wieder Pioniergeist mitbringen.


Was habe ich da erlebt? - Ich rufe eine Freundin von der Bürgerhilfe an, weil ich denke, jetzt könnte ihre Reha vorbei sein. Und was höre ich? "Na, das soll man Freunde nennen! Niemand hat sich um mich gekümmert! Ich war ganz allein." "Ja, warst du nicht in der Reha?" frage ich. "Nein, die ist mir nicht bewilligt worden. - Aber weißt du, wer mir geholfen hat? Die Bürgerhilfe! Ich habe angerufen, und jetzt kümmert sich eine Helferin von der Bürgerhilfe um mich. Die macht das ganz toll. Immer wenn ich sie brauche, ist sie da."
Da frage ich: "Kenne ich die?" Sie sagt: "Ich glaube nicht. Die ist ganz neu."
Ja, so ist das mit unseren Neumitgliedern.

Aber von einer ganz wichtigen Gruppe habe ich noch nichts gesagt. Das sind die, die sagen: "Ich kann doch gar nicht mehr helfen." Nicht selten stellt sich dann zwar heraus, dass sie doch helfen können. Indem sie Telefondienst übernehmen und andere anrufen oder indem sie Briefe in der alten deutschen Schrift entziffern oder Veranstaltungen gestalten, indem sie aus ihrem Leben erzählen, oder - und das noch eine kleine Geschichte - indem sie von einem Kind lernen, wie man Sterne faltet, und es dann anderen beibringen, so dass es eine Zeit gab, wo auf dem Stammtisch noch weiter Sterne gefaltet wurden.

Aber natürlich gibt es auch Situationen, wo man gar nicht mehr helfen kann.
Da kommt das Wichtigste: Was nutzen viele Helfer, wenn es niemanden gibt, der sich helfen lässt?
Deswegen brauchen wir unbedingt die, die sich helfen lassen. Denn, wenn es die nicht gibt, dann passiert, wovon ich am Anfang gesprochen habe: Dann ist gar nichts los.

Hilfeleistung ist nur möglich, wo etwas los ist, wo Hilfe nachgefragt wird.

Und dieses Zusammentreffen von Hilfsbereitschaft und Bereitschaft, sich helfen zu lassen, ist das, was einer Gesellschaft den inneren Zusammenhalt gibt. Das ist der Kern der Bürgerhilfe und dafür lohnt es sich, bei uns mitzumachen.

Sonntag, 13. August 2017

Das Glück der späten Jahre, Lebenszufriedenheit im Altern


Bericht zum Vortrag von Dr. Marion Schirling von der Bürgerhilfe Bensheim am 11.8.2017

"Manche sitzen im Alter mürrisch auf dem Sofa, andere leben - trotz Einschränkungen - überwiegend aktiv und  zufrieden."  Mit diesen Worten stellte die Referentin Dr. Marion Schirling in ihrem Vortrag im Rahmen der Bürgerhilfe auf humorvolle und spannende Weise neueste Studien zum Thema "Glück im Altern" vor.
Ganz im Gegenteil zur landläufigen Meinung, nimmt die Lebensfreude bei der Mehrheit der Bevölkerung im Alter zu. Der deutsche Alterssurvey (DEAS) zeigt, dass nur 7% der deutschen Bevölkerung über 50 Jahre wirklich unzufrieden sind. Das liegt daran, dass man als älterer Mensch nicht mehr so sehr dem Konkurrenzkampf ausgesetzt ist und dass man sich auf die vorhersehbaren Veränderungen im Alterungsprozess vorbereiten kann.
Besonders achten sollte man darauf, sich für neue Freundschaften offen zu halten und sich durch viel Bewegung und musikalische Entdeckungen und neue Lernstoffe körperlich und geistig fit zu halten. Dann wird es möglich, sich auch an einschneidende Veränderungen anzupassen und immer wieder zur Lebenszufriedenheit zurückzufinden. Dazu gehört freilich, dass man nicht immer nur den alten Zustand verteidigt, sondern sich auf Veränderung einlässt. Denn Glück besteht nicht nur in guten Gefühle, sondern ganz wesentlich darin, sich für etwas Wesentliches einzusetzen und Mitverantwortung für die neue Generation zu übernehmen. Freilich muss man dafür lernen, unrealistische Ziele aufzugeben, und nicht müde werden, sich immer neue realistische Ziele zu setzen.
Insgesamt gehe es darum, die Fähigkeit zur Resilienz zu stärken, das heißt, dass man lernt, auch aus widrigen Umständen das Beste zu machen. Dazu gehört, dass man sich nicht in eine Opferrolle drängen lässt, sondern, statt sich an Problembetrachtung festzubeißen, auf neue Lösungen hinarbeitet. Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und sich neuen Situationen zu stellen, sei dafür entscheidend. Das bedeute aber gerade nicht, dass man mit allem selbst zurecht kommen müsse. Sondern man müsse lernen, auch einmal um Hilfe zu bitten. Dafür braucht man allerdings ein starkes Netzwerk von Freunden und guten Bekannten.
Hilfreich sei dafür Spiritualität, die es einem ermöglicht, sich nicht immer nur auf sich selbst zu verlassen, sondern die Freuden des Lebens dankbar als Geschenk anzunehmen und darauf zu vertrauen, dass auch in schweren Tagen Hilfe und neue Kraft erwachsen kann. Bewährt habe sich auch die Ausübung eines Ehrenamtes, in dem man für Ziele arbeiten kann, die für einen wichtig sind.
Walter Böhme, der Vorsitzende der Bürgerhilfe, verwies darauf, dass die Bürgerhilfe sich als Aufgabe gesetzt hat, eine Hilfe bei der Bildung von Netzwerken zu bieten und Aufgaben für ehrenamtliche Tätigkeit ganz im Rahmen der eigenen Fähigkeiten zu finden.
Von der Zuhörerschaft wurden weitere eindrucksvolle Beispiele beigebracht, die die von Dr. Schirling vorgestellten Untersuchungen bestätigen. Das bekannteste war wohl Samuel Koch, der nach seinem Unfall bei "Wetten, dass..." querschnittsgelähnt ist, aber dankbar die Hilfen angenommen hat, die ihm geboten wurden, und jetzt eine Schauspielschule absolviert hat und schon in unterschiedlichen Rollen aufgetreten ist. Koch trägt erfolgreich dazu bei, Menschen zu ermutigen, sich auch widrigen Umständen zu stellen.
Da angesicht der großen Besucherzahl das mitgebrachte Informationsmaterial zu Resilienz und zur Bürgerhilfe nicht ausreichte, verwies Herr Böhme darauf, dass über die Internetseite www.buergerhilfe-bensheim.de und die Telefonnummer der Bürgerhilfe Bensheim 06251-69999 weitere Informationen zu erhalten sind.

Alter als eigener Entwicklungsplan mit neuen Möglichkeiten und Chancen
Hans-Werner Wahl im Interview FR 30.6.17
"Viele Daten zeigen in der Tat, dass ältere Menschen so unterschiedlich sind wie keine andere Altersgruppe."

Nie zu alt zum Lernen (mit Kurzfilm)
"Wie wir altern, hängt viel von uns selbst ab. Vor allem lebenslanges Lernen bietet die Möglichkeit für ein aktives, selbstständiges und selbstverantwortliches Leben bis ins hohe Alter."

Auf gute Art altern

Dienstag, 1. August 2017

Vortrag am 11.8.: Das Glück der späten Jahre – Lebenszufriedenheit im Altern

Schwächlich, kränklich, wackelig, demenzgefährdet, schlecht gelaunt – wie oft begegnet uns dieses Bild des älteren Menschen in den Medien. Es stimmt: Das Alter hat seine Tücken und dunklen Seiten und ist „nichts für Feiglinge“.
Doch es gibt auch die andere, die helle Seite des Alterns. Sie wird gegenwärtig durch etliche Studien erforscht, die bestätigen, dass die seelische Gesundheit und Lebensfreude mit dem Altwerden bei vielen Menschen sogar spürbar zunimmt. Im Brennpunkt dieser Studien stehen Forschungen, die Hinweise geben können, wie man munter und zufrieden in die Jahre kommen kann, ohne zu verbittern oder zu vergreisen.


Frau Dr. Marion Schirling  wird am 
Freitag, dem 11.8., um 15:00 Uhr im Seniorencafé in der Hauptstraße 53 
die Ergebnisse dieser Studien vorstellen. 
 Im Mittelpunkt stehen Ideen und Anregungen, wie wir selbst unser eigenes Wohl- und Glücksempfinden steuern und entwickeln können.

Alle Mitglieder der Bürgerhilfe und auch Gäste sind herzlich eingeladen.

Samstag, 1. Juli 2017