Samstag, 10. Mai 2014

Bürgerhilfe pflegt das Miteinander - Bericht des Bergsträßer Anzeigers

BENSHEIM. Lena leert verlässlich den Briefkasten und gießt die Blumen. Sie wirft noch einen Blick über den Gartenzaun und schaut nach dem Rechten. Nach seiner Rückkehr revanchiert sich der rüstige Urlauber und wird in ihrem Garten Hand anlegen.Maria ist zwar gut zu Fuß, aber nur beschränkt mobil. Sie setzt sich nicht gern hinters Steuer eines Autos und nutzt stattdessen den Mitfahrdienst von Vereinskollegen. Dafür passt sie auch gern mal ein Stündchen oder mehr auf die Kinder auf und erleichtert den Eltern den Einkauf.

Mit einem solchen Konzept des gegenseitigen und unbürokratischen Aushelfens macht die "Bürgerhilfe" seit vielen Jahren Schule. Am Mittwoch traf sich der Verein, der im Mehrgenerationenhaus in der Obergasse ein Zuhause gefunden hat, zur Jahreshauptversammlung im Caritasheim Sankt Elisabeth.


"Bürger helfen Bürgern": Dass die Idee auch im vergangenen Jahr gelebt wurde, dokumentierte der Jahresabriss, den der Vorsitzende Heinz Lenhart letztmals zusammengestellt hatte. Er stand nach sechs Jahren im Amt aus beruflichen Gründen nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung. Als Gründungsmitglied zählt er zu den Urgesteinen des Vereins, der 1997 aus der Taufe gehoben wurde. Seitdem war er auch im Vorstand aktiv. Die Versammlung ernannte ihn nun zum Ehrenmitglied.

Eine Ausnahmefigur

Walter Böhme bezeichnete ihn in seiner kleinen Laudatio als eine "Ausnahmefigur", die sich in den sechs Jahren als Vorsitzender und zuvor im Amt des Stellvertreters vor allem für die unkonventionelle Hilfe für den Einzelnen stark gemacht habe.
Walter Böhme tritt nun seine Nachfolge an. Als Stellvertreter wirkt Martin Rau mit. Schatzmeisterin bleibt Ingrid Engelbracht, die dem Verein seit 15 Jahren die Treue hält. Als Schriftführerin stellte sich Andrea Rau zur Verfügung. Ingeborg Mack, Gundula Wagner und Marianne Hoffmann komplettieren als Beisitzer den Vorstand. Als Kassenprüfer fungieren der wiedergewählte Rudolf Gottschlich, der zuvor dem Schatzmeisterin wie auch dem gesamten Vorstand gute Arbeit bescheinigt hatte, und Fritz Heist.

Vielzahl kleiner Netzwerke

"Die Bürgerhilfe hat sich von Jahr zu Jahr weiterentwickelt", stellte Heinz Lenhart in seinem Rückblick fest. Sie habe sich zu einer lebendigen Nachbarschaftshilfe entwickelt mit einer Vielzahl kleiner Netzwerke untereinander. "Und nach einer guten Nachbarschaft sehnt sich jeder". Denn sie hole die Menschen aus der Einbahnstraße der Vereinzelung und Vereinsamung. Sie führe aus der Anonymität zu neuen Bekanntschaften und Weggemeinschaften.
In der knapp 200 Mitglieder großen "Familie der Bürgerhilfe" hätten sich bereits kleine Netzwerke herausgebildet, die das Miteinander hegen und pflegen. Wenn nun die Statistik von rund 2100 geleisteten Stunden an Hilfsdiensten spricht, bildet sie dabei nur einen kleinen Teil dessen ab, was im Rahmen des Vereins unter Freunden selbstverständlich übernommen wird, ohne im Punktesystem akribisch registriert zu werden. Es zeichne die lebendige Dynamik unter den Mitgliedern aus.
Nicht nur während der Bürozeiten donnerstags zwischen 15.30 und 17.30 Uhr im Mehrgenerationenhaus können Anfragen gestellt werden. Meldungen auf dem Anrufbeantworter werden täglich abgehört.
Das Konzept sieht vor, dass sich jedes Mitglied für eine Stunde im nachbarschaftlichen Einsatz zwei Punkte gutschreiben lassen und mit denen abgleichen kann, die er von seinen Vereinsfreunden in Anspruch genommen hat. Jede Aktivität ist freiwillig.
Der Verein will aber keine anonyme und bürokratische Schnittstelle im Netzwerk zwischen Nachfrage und Angebot von Leistungen sein. Mit gemeinsamen Unternehmungen, Projekten und Treffen zum Austausch will man das gute Miteinander und die vertraute Atmosphäre pflegen. moni

Informationskasten:

Unbürokratisch und schnell

RUND UM DIE BÜRGERHILFE

Der Verein "Bürgerhilfe" wurde 1997 geboren und wuchs in einem rasanten Tempo von 19 Mitgliedern auf der Gründungsversammlung auf heute knapp 200.
Das aus Amerika stammende Modell stieß in Deutschland seit Mitte der 80er Jahre in den Städten und Gemeinden auf zunehmende Resonanz. In dieser Form des bürgerschaftlichen Handelns bringen Menschen Zeit und ihre Fähigkeiten ein und profitieren in gleicher Weise. Das gelebte Miteinander setzt positive Akzente in der Gemeinschaft.
Das Leistungsangebot der Mitglieder der Bürgerhilfe ist breitgefächert. Es reicht von Hausarbeiten bis hin zur Hausaufgabenbetreuung oder Hilfe beim Verfassen eines behördlichen Briefes. moni


© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 10.05.2014


Der neue Vorstand: von links nach rechts:
1. Reihe: Andrea Rau, Martin Rau, Ingeborg Mack, Walter Böhme
2. Reihe: Marianne Hoffmenn, Gundi Wagner, Ingrid Engelbracht, Heinz Lenhart (ehemaliger Vorsitzender und neues Ehrenmitglied)

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